Zeiss Ikon 1: Eine Faltenbalgkamera kaufen

Eine Faltenbalgkamera kaufen

Diese Kameras wurden von einer Generation von Fotografen benutzt, die sorgfältig mit ihren Sachen umgegangen ist. Deshalb gibt es ein großes Angebot guter Kameras. Allerdings fehlen manchmal Teile oder die Kamera ist wegen technischer Mängel unbrauchbar. Vielleicht weil doch die Enkelkinder damit gespielt hatten. Was muss man also wissen um gute von schlechten Kameras zu unterscheiden?

Fangen wir außen an:

1-Auslöser 2-Filmtransportrad 3-Filmtransportanzeige 4-Öffnen des Kameradeckels

Zum Öffnen des Kameradeckels gibt es oben einen kleineren Knopf (der größere ist der Auslöser). Darauf sollte auf dem Flohmarkt der Verkäufer drücken. Die Kameras öffnen sich selten ganz von alleine weil die Federn müde geworden sind. Wenn der Balgen Quietschen oder Rascheln von sich gibt, dann bedeutet das nichts Gutes. Eventuell wurde er seit vielen Jahren nicht geöffnet und hat in der Zeit immer wieder Feuchtigkeit aufgesaugt. Vielleicht ist seine Oberfläche ein mikrobotanischer Garten. Gut erhaltene Balgen öffnen sich fast geräuschlos.

Das Objektiv:

Einstellringe: 5-Entfernung 6-Blende 7-Belichtungszeit / 8-Spannhebel für den Verschluss

Es muss einen Einstellring für die Entfernung geben. Dieser Ring lässt sich drehen, verstellt sich aber nicht schon beim Berühren. Normalerweise besteht der Ring aus vernickeltem Messing und hält die vordere Linse der Kamera. Die Linse soll frei von Linien und Flecken sein. Lassen sich Flecken nicht entfernen, dann liegt es nicht am Reinigungsmittel, sondern die Linse ist beschädigt. Auf dem Flohmarkt nie selber reinigen. Das soll der Verkäufer machen.

Hinter dem Einstellring sind weitere Ringe und/oder Hebel für die Blende und Verschlusszeit. Die Blendenmaße sind seit jeher in einer Skala 2,8-4-5,6-8-11-16-22-32 angegeben. Manchmal weicht die kleinste Zahl von dieser Skala ab (4,5-5,6-8-11-16). Auch diese Einstellung ohne großen Kraftaufwand möglich sein, sich aber nicht schon bei Berührung verstellen. Die Werte sind meist aufgedruckt, seltener graviert. Man sollte sie zumindest lesen können.

Auch für die Verschlusszeit gibt es eine allgemeine Skala B-1-2-4-8-15-30-60-100-300, sowie leichte Abweichungen davon. Das B am unteren Ende der Skala macht, dass der Verschluss so lange auf bleibt, wie der Auslöser betätigt wird. Damit sind demnach auch längere Zeiten möglich. Weitere Optionen, die oft mit X, V oder M bezeichnet werden, sorgen für die korrekte Synchronisation unterschiedlicher Blitzgeräte.

Auf dem Flohmarkt sollte man sich die Kamera vorführen lassen. Ist der Verkäufer dazu nicht bereit, dann sollte man zumindest fragen, bevor man sie auslöst. Zum Auslösen muss erst ein Hebel am Objektiv gespannt werden. Bei den meisten Modellen gibt der Weitertransport des Films den Auslöseknopf frei. Vor dem Auslösen also das Transportrad drehen, bis die Filmtransportanzeige rot wird. Am besten kontrolliert man den Verschluss mit einer langen Belichtungszeit. Dann kann man die Mechanik surren hören und abschätzen, ob die Zeit stimmen kann. Viele alte Kameras haben höhere Belichtungszeiten als eingestellt. Das ist, wie sich noch herausstellen wird, kein unlösbares Problem.

8-Spannhebel für den Verschluss 9-Transportrad für den Film
10-Anzeige Filmtransport a=Verschluss gesperrt b=Verschluss freigegeben

Um den Balgen wieder zu schließen, muss man in der Regel zwei Stützen an den Seiten in Richtung des Deckels drücken. Danach ist die Mechanik bereit, sich zusammenklappen zu lassen. Dabei werden gleichzeitig die Federn für ein erneutes Ausklappen gespannt.

Dann der Innenraum:

11-Fenster für den Filmtransport 12-Hebel zum Öffnen des Rückens
13-Leere Kammer für den neuen Film 14-Leere Filmspule zum Aufwickeln hier vorhanden
15-Blattfeder mit Halter für die Filmspule

Die Rückseite der Kamera enthält ein kleines Fenster. Öffnet man es, dann sollte ein rotes Glas sichtbar werden. Später wird man durch dieses Glas den Filmtransport überprüfen. Fehlt das Glas oder ist es beschädigt oder entfärbt, dann wird die Kamera zum Dekorationsobjekt. Selten befindet sich auf der Rückseite ein Schieber mit 2 Fenstern. Das sind Kameras für 2 Aufnahmeformate z.B. 6×9 und 6×4,5. In ihrem Innern muss sich dann auch ein Einsatz Größe 6×4,5 finden, der sich entfernen lässt.

Als nächstes wird die Rückseite der Kamera geöffnet. Falls sie noch in einem Lederetui steckt, muss sie heraus genommen werden, wozu die Stativschraube unten am Etui losgedreht wird. Die Verriegelung für den Rückendeckel befindet sich normalerweise an der Seite. Manchmal ist diese recht trickreich, um eine unbeabsichtigtes Öffnen der Kamera zu verhindern. Gewalt führt da nicht weiter. In der Kamera sieht man den Balgen von innen. Auf beiden Seiten ist eine Kammer für den Film. In einer der beiden Kammern muss eine leere Filmspule sein. Fehlt diese, muss man später einen Film opfern um sie zu ersetzen.

Die leere Filmrolle muss auf der Seite des Transportrads sein. Sie dreht sich dann mit diesem Rad in Richtung Aufwickeln. Dabei wird, wie bereits beschrieben, die Sperre gegen Doppelbelichtung entriegelt. Unten am Gehäuse steckt die Filmrolle in einem Stift, der von einer Blattfeder gehalten wird. Zieht man die Feder nach unten, lässt sich die Rolle entfernen.

Kaufen oder nicht:

Die meisten Kameras, die diese Tests überstehen, werden auch Fotos machen. Doch manche Defekte kann man erst später erkennen. Eine Reparatur lohnt sich dann meist nicht. Also weiter verkaufen oder in die Vitrine.

Jedenfalls sollte sich zwischen 30 und 100€ (Stand 2017) etwas Brauchbares finden lassen. Mit etwas Glück eine neuwertige Zeiss Ikon Ikonta im gepflegten Lederetui.

Die Preisentwicklung ist bei diesen Kameras ruhig. Es sind selten teure Sammlerstücke weil es zu viele davon gibt. Als Grundlage zum Feilschen auf dem Flohmarkt gilt neben den beschriebenen Tests auch ein Vergleich mit Angeboten aus dem Internet. Es gab schon in den 50er Jahren Originale und billigere Nachahmerprodukte. Auch die optische Qualität der Objektive ist unterschiedlich. Mindestens ein Anastigmat mit 3 Linsen muss es sein. Ein 4-linsiges Tessar ist die bessere Wahl.

Für Kopien von Originalhandbüchern: http://www.butkus.org/chinon/zeiss_ikon.htm (with thanks to Michael Butkus)